Augsburger Angelcenter

Flyfishing Haase

Norwegen

Lachsfischen
an der
Gaula
2012


Ein Reisebericht von Dieter Schultheiss


Einstand mit der Zweihand!

Nachdem ich wieder mal mein Glück auf Lachse in Norwegen versuchen wollten, buchte ich bereits im Mai einen Flug Frankfurt – Trondheim, Mietwagen und eine Hütte mit Angelkarte an der Nedre Loeberg Strecke im unteren Teil der Gaula bei Lundamo.



Ich hatte in den letzten 15 Jahren mehrmals erfolglos versucht, einen Lachs an Land zu ziehen, hatte aber außer 2 Kontakten, die leider kurz nach Anbiss wieder abkamen, nichts zu verzeichnen. Um diesem traurigen Schicksal ein weiteres Mal zu entgehen, hatte ich mir diesmal vorgenommen, das Ganze etwas professioneller anzugehen und habe mich praktisch und theoretisch vorbereitet.


Soll heißen:
- Ich habe 2 Wochenenden bei Andre Scholz
  http://www.as-flyfishing.de eingebucht, um einen besseren und
  richtigen Umgang mit der Zweihandrute zu erlernen.
- Ich habe mir beide Lachsbücher (Einfach auf Lachs und Erfolg mit
  der Zweihand) von Bernd Kuleisa http://www.bernd-kuleisa.de
  reingezogen und verinnerlicht
- Ich bin mehrfach an meine Hausstrecke  am Lech bei Augsburg
  mit der Zweihand zum Üben gefahren
- Und - last but not least - habe ich mein Equipment (auch meine
  neue ORVIS Shooting Star 14„ ) bei Thomas Haase im
  Augsburger Angelcenter aufgefrischt und ergänzt.


Und was hat das Ganze gebracht?


Ein Lachstagebuch

Tag 1: 18.8. Anreise und Check der Lage

Die Fahrt mit dem ICE nach Frankfurt/Flughafen, der Flug mit Lufthansa (den gab's schon für 150 EUR. Return incl. Rutentransport bei rechtzeitiger Buchung), sowie die Übernahme des Mietwagens verliefen reibungslos. Anschließend ca.1:20 Stunden Fahrt nach Lundamo. Gegen 20 Uhr war ich bei Nils Joar Lien, checkte in meine Hütte ein und erwarb meine Angelkarte. Kurz vorher noch das obligatorische Desinfizieren in Lundamo.

Meine Hütte Nr. 2 mit Hauskater

Da ich am nächsten Morgen schon früh loslegen wollte, prüfte ich vorher noch die aktuellen Fangdaten und den Wasserstand (hier Gaulfoss):




Die Fangdaten waren nicht gerade sehr ermutigend ......


       ......... seit über einer Woche wenig Wasser und wenig Fänge







Tag 2: 19.8. Kennenlernen der Strecke, Einwerfen und
                     Hoffnung schöpfen
Frühmorgens beim ersten Tageslicht gegen 5:00 Uhr war ich am Wasser und erfreute mich einer schönen Angelstrecke von ca. 2 km und musste bzw. durfte feststellen, dass ich der einzige Angler an der Strecke war.

Unterer Streckenteil


Ich fischte von kleinen Pausen abgesehen bis abends 22 Uhr, dann wurde es dunkel. Nach ein paar Stunden Übung wurden die Würfe besser und es hat richtig Spaß gemacht. Meine bevorzugten Fliegen waren tagsüber (bei leicht angebräuntem Wasser) die Allys Shrimp und der General Practitioner, ansonsten der Green Highlander und für frühmorgens und abends mit dem Silver Stoats Tail und dem Red Butt. Ich fischte meistens mit meiner Orvis Shooting Star 14 und einer Vosseler S3 bestückt mit 36 Gramm Climax Shooting Head 10,5m floating. Als Vorfach benutzte ich ein AirFlo Polyleader Clear Intermediate mit 0,35 Tip.
Als ich abends ohne Fischkontakt zur Hütte ging und die Wetterlage checkte, schöpfte ich Hoffnung ........ es soll Regen geben.


Tag 3: 20.8. Das Wasser steigt, die Hoffnung mit






Am Abend und in der Nacht hat sich das Wasservolumen am Gaulfoss verdoppelt und stieg auch an der Nedre Loeberg Strecke sichtbar an.






Als ich morgens ans Wasser ging sah ich bereits den höheren Wasserstand verbunden mit einer leichten Eintrübung. Als das Wasser zu sinken begann habe ich sehr intensiv alle Pools abgefischt. Insgesamt sah ich 5 Lachse springen, ein Kontakt blieb jedoch aus. Die Färbung des Wassers wurde im Laufe des Tages zunehmend milchig, was Einheimische auf Nachfrage auf freigelegte Lehmschichten zurückführen, die bei höherem Wasserstand erodieren. An diesem Tag traf ich noch einen lokalen Angler, Toralf, der mit allen Wassern gewaschen war und mir die Pools, die taking spots und die besten Fliegenmuster zeigte. Ein gewaltiger Vorteil, wie sich später zeigen sollten.


Oberer Streckenteil (Fly Only)


Tag 4: 21.8. Das Wasser ist wieder unten –
                                                - meine Motivation wankt
Dieser Tag war ein ganz besonderer, nicht etwa weil ich etwas gefangen hätte, sondern weil ich diese Situation bei früheren Lachstrips auch schon erlebte, diesmal aber durchgehalten habe.
Früher wäre ich zu diesem Zeitpunkt fast sicher der Verlockung der naheliegenden Forellenseen oder Fjorde erlegen, doch dieses Mal habe ich, nicht zuletzt aufgrund der praktischen und theoretischen Vorbereitung, nicht aufgegeben.
Ich habe auch persönlich gegenüber früher auch noch besser verstanden, was erfahrene Lachsfischer meinen, wenn sie sagen:

„Das Erlebnis steht im Vordergrund nicht das Ergebnis„

Im Laufe des Tages und Abends hat es im Einzugsgebiet der Gaula dann nochmal gewaltig geregnet.


Tag 5: 22.8. Das Wasser steigt in der Nacht enorm und
                     beginnt am Morgen zu fallen.

Der Anfang meines persönlichen „Hammertages„





Am Abend und in der Nacht hat sich das Wasservolumen am Gaulfoss mehr als vervierfacht und begann am frühen Morgen zu sinken.





Dies sind die Bedingungen, die man sich wünscht und bei denen man am Ball bleiben muss.

Also ging ich bei Tagesanbruch mit frischem Elan los und fischte mit einer Allys Shrimp den ersten Durchgang an meinen  zwei Lieblingspools. Gegen 8 Uhr bekam ich den ersten Kontakt und mir blieb das Herz stehen! Ich fischte zum ersten Mal (siehe Bücher von B. Kuleisa) von der Rolle.
Ich war dann auch gleich mal von derselben.
Die Rolle war sehr leicht eingestellt, der Fisch nahm Schnur, blieb stehen, ein leichtes anheben der Rute und….. Hossa
– mein erster Lachs in Norwegen seit mehr als 15 Jahren im Drill.
Nach ca. 5 min lag ein blanker Milchner-Grilse von 67cm und ca. 2,5 kg vor mir und trieb mir ein Grinsen ins Gesicht. Da ich mir vorgenommen hatte den ersten Lachs räuchern zu lassen und mit nach Hause zu nehmen, stellte ich das Fischen zufrieden ein und fuhr nach Stören in die Räucherei.


Mein erster Lachs seit 15 Jahren !


Tag 5: 22.8 12:00 Uhr weiterfischen!
Da die Tageskarten am Nedre Loeberg von 12 Uhr bis 12 Uhr des darauffolgenden Tages gelten, konnte ich nachmittags wieder fischen. Ich begann um ca. 14 Uhr mit zwei Durchgängen nochmal mit der Allys Shrimp, zum dritten Durchgang montierte ich einen General Practitioner. Das Wasser war immer noch bräunlich und am sinken. Gegen 16 Uhr hatte ich schon wieder Kontakt, die Schnur zog ab, stoppte, Rute angehoben – nochmal Hossa!
Und diesmal war es ein ganz anderes Kaliber, der Lachs zog schnell 50 Meter stromab, dann ans andere Ufer und zeigte sich in voller Pracht bei mehreren Sprüngen. Mir fiel das Herz in die Hose. Toralf, inzwischen mein geschätzter Angelkamerad, schätzte ihn auf ca. 7kg. Der Drill ging hin und her und mehrfach glaubte ich den Fisch zu verlieren, doch am Ende konnten wir ihn sanft ins flache Wasser führen, kurz messen und ein Foto machen. Danach wurde der blanke Milchner von 87cm und geschätzten 7 Kilo schonend freigelassen.
Ich konnte mein Glück gar nicht fassen, erst 15 Jahre gar Nichts und dann 2 Lachse an einem Tag!


Der Zweite Lachs mit 87cm und ca. 7kg



Tag 5: 22.8 20:00 Uhr - Das war noch nicht alles!
Nach dem Fang des zweiten Lachses saß ich gemütlich am Ufer, schaute Toralf beim Fischen zu und war einfach nur glücklich. Der Tag war einer der schönsten in meinen bald 40 Angeljahren und ich hatte mein Norwegen Lachs-Trauma überwunden. Ich fischte gegen Abend mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit weiter, die man nur nach solchen Fängen hat.
Ich hatte keinerlei Erwartungen mehr an den Tag und fischte nun mit einer Red Butt. Gegen 19:30 Uhr stieg ein Lachs auf meine Fliege, es gab jedoch keinen Kontakt. Auch hier halfen meine Erkenntnisse aus Buch und Kurs.
Dran bleiben, Geschwindigkeit oder Fliege wechseln. Ich entschied mich fürs Menden in die Strömung um der Fliege mehr Geschwindigkeit mitzugeben.
Wenn es mal läuft, dann richtig, 10 Minuten nach dem Steigen des Lachses zog wieder Schnur von der Rolle. Ich wartete bis die Schur stoppte, ein leichtes Heben und ab ging die Post.
Eine Flucht stromauf von 50 Metern gefolgt von Sprüngen machten mir die Knie weich. (Das Herz war ja schon in der Hose). Toralf sagte beiläufig, dass dieser Fisch über 10 Kilo schwer sei – das machte mich nicht ruhiger. Eine weitere Flucht quer stromab auf die andere Seite von fast 100 Metern ließ mich erstmals zweifeln, ob ich diesen Fisch landen könnte. Wenn der Lachs weitere 30 Meter stromab geflüchtet wäre, hätte ich vermutlich die Schnur an einer knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Kiesbank aufgescheuert. Aber wie gesagt, wenns läuft, dann läufts. Nach ca. 20 Minuten wurden die Fluchten immer kürzer und nach weiteren 10 Minuten lag ein Milchner Prachtexemplar von 110 cm und 13 Kilo vor mir im Sand. Der Milchner hatte offensichtlich schon Zeit im Fluss verbracht.



Ein schöner Lachs auf eine 8er Red Butt


 



Tag 6: 23.8. Den Vortag verarbeiten
Nach einem so außergewöhnlichen Angeltag wie dem Vortag, verbrachte ich eine aufgewühlte Nacht. So etwas muss man erst mal verarbeiten. Leider waren während der ganzen Woche keinen anderen Angler im Lachscamp Nedre Loeberg, so feierte ich am Abend mit meinem Hütten-Kater und telefonierte lange mit meiner Frau.




Mein Hütten - Kater





Den Vormittag verbrachte ich in Stören, erst im Shopping-, dann im Naturcenter. Nachmittags noch eine leichte Zweihand-Einheit mit Toralf. Alles mit einer Leichtigkeit und einem Dauergrinsen im Gesicht, die erfolgreiche Lachsfischer sicher schon kennen. Für mich war das Neu, hat aber hohes Suchtpotenzial.


Tag 7: 24.8. Eine schöne Meerforelle zum Ausklang
Da am nächsten Tag die Abreise anstand, ging ich nochmal ans Wasser um den Angelurlaub ausklingen zu lassen. Das Wasser war fast wieder auf Normalstand und trotzdem war noch viel Bewegung im Wasser. Mehrere Fische sprangen und einer stieg nach einer Schaumblase. Da das in Wurfweite geschah, fischte ich den Platz mit einer frischen Red Butt an und gegen 8 Uhr wurde wieder Schnur von der Rolle gezogen. Gewartet, Rute angehoben und schon wieder ein Drill. Diesmal war es eine Meerforelle von 66cm und ca. 3 Kg. Da ich diesmal alleine am Wasser war gibt’s nur ein unscharfes Bild der Meerforelle im Wasser.


Meerforelle mit 66 cm und ca. 3 kg


Tag 8: 25.8. Abreise
Ich ging zum Abschied nochmal an die Gaula, verbeugte mich für eine erlebnisreiche Woche und plante im Hinterkopf schon den nächsten Angelurlaub an der Gaula.
Die Rückreise selbst verlief normal. Lediglich der verpasste Zug in Frankfurt ließ mich erst um 5:30 am Morgen des nächsten Tages zu Hause ankommen.

Aber was ist das schon, bei so einem Hammer-Lachsurlaub?

Fazit:
Während dieser Angelwoche war ich um jede Stunde Wurfkurs bei Andre Scholz und um jede Zeile aus den 2 Lachsbüchern von
H. Kuleisa dankbar. Sie gaben mir etwas, was vorher offensichtlich fehlte, nämlich Effizienz beim Werfen (die Fliege fischte im Wasser und hing nicht in irgendeinem Busch) sowie Sicherheit beim Handeln, bei der Wahl der Fliege und des Gerätes. Diese Faktoren zusammen mit Glück beim Wasserstand haben diesen tollen Urlaub erst möglich gemacht.

Danke auch an Thomas Haase für die tolle Beratung.


Life is not measured by the number of breaths we take, but by the
moments that take our breath away



In diesem Sinne und tight lines,

Dieter Schultheiss